Andreas Peter­sen: Die Mos­kauer. Wie das Stal­in­trauma die DDR prägte

Das Stal­in­trauma der DDR

Eine Frage bewegt der­zeit die poli­ti­schen Debat­ten: Warum wäh­len so viele Men­schen in Ost­deutsch­land die AfD, warum füh­len sie sich von auto­ri­tä­ren Par­teien ange­spro­chen, warum glau­ben sie den Versprechungen?

Das Buch „Die Mos­kauer. Wie das Stal­in­trauma die DDR prägte“ von Andreas Peter­sen gibt dar­auf zwar keine direk­ten Ant­wor­ten, bie­tet aber Ein­bli­cke in das Den­ken und Han­deln der Gene­ra­tion, der­je­ni­gen, die die DDR auf­bau­ten. Anhand von Lebens­läu­fen zeigt Peter­sen exem­pla­risch auf, wie der Sta­li­nis­mus jene Kom­mu­nis­ten, die vol­ler Enthu­si­as­mus in den 1920er und 1930er Jah­ren in der Sowjet­union den Sozia­lis­mus mit­auf­bauen woll­ten, defor­mierte. Wie durch Denun­zia­tion und Ver­fol­gung Leben zer­stört wurde. Wie Angst und Schre­cken ver­brei­tet wurde. Wie viele über­zeugte Kom­mu­nis­ten ermor­det wur­den oder im Gulag ihr Leben lie­ßen. Peter­sen arbei­tet gerade am Bei­spiel von Jugend­li­chen, wie Wolf­gang Leon­hard, Mar­kus und Kon­rad Wolf, her­aus, wie stark die Men­schen vom Sta­li­nis­mus geprägt waren.

Die DDR wurde von maß­geb­lich den­je­ni­gen auf­ge­baut, die den Sta­li­nis­mus über­lebt hat­ten und durch ihn geprägt waren. Angst, Ver­här­tung, Miss­trauen waren wich­tige Vor­aus­set­zun­gen, um über­le­ben zu kön­nen. Diese per­sön­li­che Prä­gung hin­ter­ließ ihre Spu­ren in der Poli­tik. Eine Stärke des Buches sind die Beschrei­bun­gen der per­sön­li­chen Erleb­nisse – auch anhand von Brie­fen und Tage­buch­ein­trä­gen. Ein bedrü­cken­des, aber sehr emp­feh­lens­wer­tes Buch.

Gabriele Schulz

Andreas Peter­sen. Die Mos­kauer: Wie das Stal­in­trauma die DDR prägte. Frankfurt/Main 2019

Von |2020-04-30T16:01:24+02:00September 12th, 2019|Allgemein, Rezension|Kommentare deaktiviert für Andreas Peter­sen: Die Mos­kauer. Wie das Stal­in­trauma die DDR prägte
Gabriele Schulz ist Stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Kulturrates.