Landkreise sind weit überwiegend ländlich und kleinstädtisch geprägt. Die Integration von zugereisten Menschen, auch ihre kulturelle Integration, steht daher vor anderen Herausforderungen, als dies im urbanen, großstädtischen Umfeld der Fall ist. Die Überschaubarkeit und das nicht im Wortsinne gegebene, aber doch der Realität näherkommende „Jeder kennt jeden“ im ländlich-kleinstädtischen Milieu ist zugleich Vorteil wie Nachteil bei der Integration. Die 294 Landkreise in Deutschland sind sehr bemüht, nach den zunächst grundlegenden Bedürfnissen wie Wohnen und Ernährung auch den Spracherwerb und grundlegende Kenntnisse über das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland zu vermitteln. Dies ist eine notwendige, aber natürlich keine hinreichende Bedingung für eine gelingende Integration von Menschen.
Wichtig ist den Landkreisen nicht zuletzt auch die Integration von Familien über die Institutionen für ihre Kinder. Das sind insbesondere Kindergarten und Schule. Nach wie vor ist der Bildungserfolg und damit letztlich auch der Grad der Integration im generationenübergreifenden Sinne in Deutschland stark abhängig von der sozialen Herkunft und den damit verbundenen finanziellen Ressourcen sowie dem Bildungshintergrund der Familien. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund leben überproportional häufig in einkommensschwachen Familien und sind daher besonders benachteiligt. Das gilt vor allem für neuzugewanderte Kinder mit geringen Deutschkenntnissen und für jene mit Fluchtbiografie. Das möglichst frühe Erlernen der deutschen Sprache aller Familienmitglieder und ein chancengerechter Zugang zu Bildung fördern die Integration. Dies erfordert eine möglichst frühe Beschulung für geflüchtete Jugendliche in Regelklassen, was längst nicht immer gelingt, aber auch nicht von den Landkreisen verantwortet wird. Dabei können Bildungserfolge von Kindern auch den Grad der Integration ihrer Eltern verbessern helfen, wenn diese entsprechende Unterstützung erhalten.
Zudem ist natürlich der integrative Wert eines sicheren Arbeitsplatzes gar nicht zu überschätzen. Gerade hier werden Kontakte geknüpft, die auch über die engeren Arbeitszusammenhänge hinaus von Bedeutung sein können und sollten. Hilfreich kann hier auch eine Ausweitung der Berufsschulpflicht für geflüchtete junge Erwachsene und längerfristig auch in der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte eine stärkere Sensibilität für Diversität sein.
Dabei ist Integration, aber nicht Assimilierung das wichtigste Ziel. Natürlich bringen Menschen aus anderen Gegenden der Welt ihre eigenen kulturellen Erfahrungen und Werte mit, die im Rahmen der Rechtsordnung des Grundgesetzes und unserer Gesetze selbstverständlich weiter bestehen und gelebt werden dürfen und sollen. Dies wird von Seiten der Landkreise unterstützt, zugleich muss aber auch das Interesse am Kennenlernen deutscher oder auch regionaler Sitten, Gebräuche und kulturellen Werte befördert werden.
Der bereits oben erwähnte Spracherwerb ist dabei zentral. Zudem darf die kulturelle Integration nicht einseitig auf die zugewanderten Personen gerichtet sein. Auch die aufnehmende Gesellschaft in Deutschland muss bereit sein aufzunehmen, und diese Aufnahmebereitschaft muss gefördert und unterstützt werden. Wenn das nicht gegeben ist, laufen alle Integrationsbemühungen von zugewanderten Menschen von Seiten der öffentlichen Hand – und zwar aller Ebenen – ins Leere.
Ziel muss eine kulturelle Annäherung an Deutschland sein, gepaart mit gegenseitigem Interesse an kultureller Vielfalt. Die Landkreise in Deutschland bemühen sich seit vielen Jahrzehnten darum, diese Rahmbedingungen herzustellen. Dass die kommunale Ebene insgesamt schon seit mehreren Jahren wirtschaftlich von Bund und Ländern insoweit finanziell allein gelassen wird, ist dabei ein extremer, wenn nicht sogar unüberwindbarer Hindernisfaktor, dem dringend abgeholfen werden muss. Denn nicht nur aus Gründen der Integration, sondern für die Weiterentwicklung des örtlichen und überörtlichen Gemeinwesens für alle Menschen in Städten, Gemeinden und Landkreisen ist die Leistungsfähigkeit der Kommunen essenziell.
Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 12/2025.
