Fanny Klein­mann

Der Insta­gram-Kanal @juedisch.und.deutsch infor­miert über jüdi­sche Fei­er­tage und Per­sön­lich­kei­ten und will damit so einige Vor­ur­teile aus dem Weg räu­men. Die Grün­de­rin Fanny Klein­mann stu­dierte Jour­na­lis­mus und Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­tion in Ber­lin, bevor sie im Mar­ke­ting für eine jüdi­sche Non-Pro­fit Orga­ni­sa­tion arbei­tete. Im Jahr 2020 star­tete sie das Social-Media-Pro­jekt „Jüdisch & Deutsch“, wo sie über jüdi­sches Leben in Deutsch­land auf­klärt. Fanny arbei­tet nicht nur im Mar­ke­ting-Bereich und als Autorin, son­dern ist auch als Desi­gne­rin tätig.

Vie­len Dank, Fanny Klein­mann, für den Ein­blick in aktu­el­les jüdi­sches Leben in Deutschland!

Du bist Grün­de­rin des Insta­gram-Kanals @juedisch.und.deutsch. Wie kam es dazu? Und was pas­siert auf dem Kanal genau?
Dazu, @juedisch.und.deutsch zu star­ten, kam ich durch das Schrei­ben mei­ner Bache­lor­ar­beit im Fach Jour­na­lis­tik. Mein Thema war das Bild des Juden­tums in deut­schen Online-Medien. Bei der Recher­che und Bear­bei­tung fiel mir immer mehr auf, dass so viele Men­schen, abseits vom Zwei­ten Welt­krieg, noch nie etwas über das Juden­tum gelernt oder je mit einer jüdi­schen Per­son gespro­chen haben. Nach­dem mein Pro­jekt eine Weile auf Eis lag, habe ich es in der Corona-Zeit in die Online-Sphäre gepackt. Ich kläre über Mythen über das Juden­tum auf, beschreibe ver­schie­dene Bräu­che und Fei­er­tage und stelle junge deut­sche Juden und Jüdin­nen auf mei­nem Kanal vor.

Ich kläre über Mythen über das Juden­tum auf, beschreibe ver­schie­dene Bräu­che und Fei­er­tage und stelle junge deut­sche Juden und Jüdin­nen vor.“

Wie ist die Reso­nanz auf die Inhalte von @juedisch.und.deutsch? Wel­che The­men sto­ßen auf beson­ders gro­ßes Interesse?
Vor allem aktu­elle The­men wie auch Fei­er­tage kom­men beson­ders gut an. Auch Por­traits erhal­ten immer ganz viele posi­tive Kom­men­tare, was ich sehr schätze. Zusam­men­ge­fasst ist die Reso­nanz sehr posi­tiv, womit ich trau­ri­ger­weise nicht gerech­net hatte. Natür­lich schleicht sich hier und da auch mal eine Hass­nach­richt ein, aber damit weiß ich umzugehen.

Social Media hat nicht nur posi­tive Effekte, son­dern lei­der auch einige nega­tive Sei­ten wie die Zunahme von digi­ta­lem Hass und Hetze. Wie gehst du per­sön­lich mit Hate Speech im Netz um?
Ich ver­su­che dabei immer zu dif­fe­ren­zie­ren. Bei sehr „bru­ta­len“ Hass- oder Spam-Nach­rich­ten doku­men­tiere ich die Nach­richt und melde sie, auch, wenn dabei meist nichts pas­siert. Ich gebe sol­chem Hass keine Angriffs­flä­che. Ande­rer­seits errei­chen mich manch­mal auch nega­tive Nach­rich­ten von Men­schen, die es ein­fach nicht bes­ser wis­sen. Oft kann ich diese davon über­zeu­gen, dass das, was sie vor­her über das Juden­tum geglaubt haben, falsch ist.

„Ich gebe sol­chem Hass keine Angriffsfläche.“

Erfährst du in die­sem Zusam­men­hang Unter­stüt­zung von den Platt­form­be­trei­bern? Oder wünschst du dir hier mehr Mitwirkung?
Jedes Mal, wenn ich anti­se­mi­ti­sche Nach­rich­ten, Bil­der oder Akti­vi­tä­ten auf Insta­gram sehe, melde ich diese. Noch kein ein­zi­ges Mal wurde dabei der Bei­trag gelöscht. Ich wün­sche mir von Platt­form­be­trei­bern, dass Hass im Netz erns­ter genom­men und stär­ker bekämpft wird.

„Für mich bedeu­tet „Zusam­men­halt in Viel­falt“, dass man seine Unter­schiede fei­ert und immer offen für Neues ist.“

Die 15 The­sen der Initia­tive kul­tu­relle Inte­gra­tion tra­gen den Titel „Zusam­men­halt in Viel­falt“. Was bedeu­tet für dich „Zusam­men­halt in Viel­falt“ und wel­che der 15 The­sen ist deine „Lieb­lings­these“?
Für mich bedeu­tet „Zusam­men­halt in Viel­falt“, dass man seine Unter­schiede fei­ert und immer offen für Neues ist. Von den 15 The­sen ist These 7 „Ein­wan­de­rung und Inte­gra­tion gehö­ren zu unse­rer Geschichte“ meine Lieb­lings­these, weil ich denke, dass das noch so vie­len Men­schen bei­gebracht wer­den muss.

Vie­len Dank!

Von |2021-10-19T12:00:04+02:00Oktober 1st, 2021|Menschen|Kommentare deaktiviert für Fanny Klein­mann