Regine Möbius: Schnei­sen der Zeit­ge­schichte: Erich Loest als poli­ti­scher Mensch

Regine Möbius: Chro­nist der Wider­sprü­che -Erich Loest als poli­ti­scher Mensch

In „Schnei­sen der Zeit­ge­schichte: Erich Loest als poli­ti­scher Mensch“ beschreibt Regine Möbius einen Men­schen, der seine Hei­mat Leip­zig liebte, den Sozia­lis­mus ernst­nahm und sich immer wie­der mit Tex­ten ein­mischte, die zur Debatte auf­rie­fen. Das aber war in der DDR nicht gewollt. Spä­tes­tens nach dem Ungarn-Auf­stand 1956 zeigte die Ulb­richt-Regie­rung, dass sie nicht bereit war, den Dia­log zu suchen, son­dern griff zu sta­li­nis­ti­schen Metho­den, aus Angst vor der Frei­heit des Wor­tes.

Regine Möbius über­nimmt als Autorin die Rolle des Chro­nis­ten, die Erich Loest (1926-2013) Zeit sei­nes Lebens inne hatte. Wie Loest bringt sie Wider­sprü­che auf den Punkt. Sie ruft die Sta­tio­nen in Loests Leben in Erin­ne­rung.

Die jun­gen Jahre, als die DDR Lite­ra­tur zu einer öffent­li­chen Ange­le­gen­heit machte, die die Bevöl­ke­rung erzie­hen sollte. Die direkte Kon­fron­ta­tion mit den Funk­tio­nä­ren, die ihn aus dem Schrift­stel­ler­ver­band dräng­ten. Und spä­ter den Riss, der sich zwi­schen den aus­ge­bür­ger­ten Ost­schrift­stel­lern und den selbst­herr­li­chen West­au­toren auf­tat. Was ver­blüf­fend an die Gegen­wart erin­nert: ein zer­ris­se­nes Volk. Der Nörg­ler kommt aus dem Osten und will sich nicht zufrie­den­ge­ben.

Dabei beschreibt sie Loest als genauen Beob­ach­ter und nach­denk­li­chen Zweif­ler. Bis ins Alter ein Tage­buch­schrei­ber, der hell­wach reflek­tiert, was ihm, sei­nem Leip­zig und den Mit­men­schen wider­fährt. Der selbst acht Jahre Kampf nicht scheute, bis ein von ihm beauf­trag­tes Bild tat­säch­lich in der neuen Uni­ver­si­tät Leip­zig auf­ge­hängt wurde. Ent­hüllt wer­den konnte „Auf­recht ste­hen“ lei­der erst nach Loests Tod.

Wer sich für die­sen Teil von Loests Leben und der Stadt­ge­schichte Leip­zigs inter­es­siert, sollte nicht ver­säu­men, am 6. Sep­tem­ber 2019 um 16:30 Uhr ins Museum der bil­den­den Künste Leip­zig zu kom­men. Dort wird Regine Möbius die­ses Kapi­tel noch ein­mal auf­schla­gen und dar­aus lesen.

Regine Möbius

Regine Möbius. Schnei­sen der Zeit­ge­schichte: Erich Loest als poli­ti­scher Mensch. Leip­zig 2019

Von |2019-12-06T11:33:51+01:00September 12th, 2019|Allgemein, Rezension|Kommentare deaktiviert für Regine Möbius: Schnei­sen der Zeit­ge­schichte: Erich Loest als poli­ti­scher Mensch
Jens Kober
Jens Kober ist Referent für Nachhaltigkeit und Kultur beim Deutschen Kulturrat.