Abbas Khi­der: Deutsch für alle. Das end­gül­tige Lehr­buch.

Die deut­schen Gesetz­tes­pa­ra­gra­fen und die deut­sche Gram­ma­tik haben für Abbas Khi­der eins gemein­sam: Sie sind zum Heu­len. In sei­nem Buch „Deutsch für alle. Das end­gül­tige Lehr­buch“ macht Khi­der auf kluge und amü­sante Weise Vor­schläge für ein refor­mier­tes „Neu­deutsch“, das eben nicht als eine der schwie­rigs­ten Spra­chen der Welt zu erler­nen wäre. Und das, obwohl Khi­der, der in Bag­dad gebo­ren wurde und seit 2000 in Deutsch­land lebt, die deut­sche Spra­che gram­ma­ti­ka­lisch so per­fekt beherrscht – viele Mut­ter­sprach­ler könn­ten sich hier ein Bei­spiel neh­men –, dass es ihm mühe­los gelang, diese sati­ri­sche Abhand­lung zu ver­fas­sen.

Khi­ders Buch beginnt mit sei­nem per­sön­li­chen Deutsch­lern­pro­zess. Dabei wählte er eine harte Schule: ein Lite­ra­tur- und Phi­lo­so­phie­stu­dium in Mün­chen und Pots­dam, was für Khi­der war, „wie Auto­fah­ren ler­nen in der For­mel 1“. In die­ser Zeit ist in ihm ein zwei­ter Abbas gewach­sen, „gewis­ser­ma­ßen ein Herr Abbas Mül­ler-Schmidt“. Geschickt meis­tert Khi­der es, per­sön­li­che Anek­do­ten in sei­nen Neu­deutsch­lehr­gang ein­flie­ßen zu las­sen, der vor allem die Ratio­na­li­sie­rung der deut­schen Gram­ma­tik vor­sieht: Die Ein­füh­rung eines Uni­ver­sal-Arti­kels „de“ und die Berei­ni­gung jeg­li­cher Prä­po­si­ti­ons­pro­bleme sind nur zwei sei­ner Pläne. Die Dekli­na­tio­nen, die er mit einer Fol­ter­me­thode ver­gleicht, die er selbst im Gefäng­nis im Irak ken­nen­ler­nen musste – mit 19 wurde Khi­der auf­grund sei­ner poli­ti­schen Akti­vi­tä­ten ver­haf­tet und floh nach sei­ner Ent­las­sung 1996 aus dem Irak – möchte Khi­der gänz­lich abschaf­fen, ebenso die gram­ma­ti­schen Geschlech­ter.

Auch wenn Khi­ders „Neu­deutsch“ sehr gewöh­nungs­be­dürf­tig klingt und vor allem als Satire zu ver­ste­hen ist, so ist es doch auch ein wich­ti­ger Appell für mehr Offen­heit und Ver­ständ­nis für andere Spra­chen und Kul­tu­ren und gegen Anti­dis­kri­mi­nie­rung. Wer sein Ver­ständ­nis und seine Hoch­ach­tung für Sprach­neu­linge und Nicht-Mut­ter­sprach­ler stei­gern oder über seine, doch manch­mal gram­ma­ti­ka­lisch wahn­wit­zige, Spra­che nach­den­ken möchte, dem ist Khi­ders „Deutsch für alle“ sehr zu emp­feh­len.

Abbas Khi­der. Deutsch für alle: Das end­gül­tige Lehr­buch. Carl Han­ser Ver­lag. Mün­chen 2019

Von |2019-07-05T15:35:19+02:00Juli 4th, 2019|Rezension|Kommentare deaktiviert für Abbas Khi­der: Deutsch für alle. Das end­gül­tige Lehr­buch.
Maike Karnebogen
Maike Karnebogen ist Redaktionsassistentin für die Zeitung Politik & Kultur beim Deutschen Kulturrat.