70 Jahre All­ge­meine Erklä­rung der Men­schen­rechte – „Für eine Kul­tur der Men­schen­rechte“

Am 10. Dezem­ber 1948 for­mu­lier­ten die Ver­ein­ten Natio­nen mit der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rechte das Wer­te­fun­da­ment für die Welt­ge­mein­schaft. Die­ses Jubi­läum bot Anlass zum Fei­ern – aber auch Ansporn zum Han­deln. Denn über­all in der Welt, auch in Deutsch­land, stel­len Teile der Gesell­schaft die Men­schen­rechte in Frage, säen Hass gegen andere Men­schen und bedro­hen das fried­li­che Mit­ein­an­der in unse­rer offe­nen und demo­kra­ti­schen Gesell­schaft. Damit wer­den zuneh­mend auch die Frei­heit der Kunst und der Medien in Zwei­fel gezo­gen. Gleich­zei­tig stel­len sich viele Kul­tur­schaffende popu­lis­ti­schen Bewe­gun­gen ent­ge­gen und unter­stüt­zen Bünd­nisse im Sinne der Men­schen­rechte.

Der Deut­sche Kul­tur­rat, die Initia­tive kul­tu­relle Inte­gra­tion und das Deut­sches Insti­tut für Men­schen­rechte wür­dig­ten das 70-jäh­rige Jubi­läum der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rechte mit einem Fest­akt. Die Ver­an­stal­tung „Für eine Kul­tur der Men­schen­rechte“ fand am 22. Novem­ber 2018 in der Fran­zö­si­schen Fried­rich­stadt­kir­che in Ber­lin statt.

Zen­trale Fra­gen waren: Wel­che Rolle spie­len die Men­schen­rechte im und für den Kul­tur­be­reich? Wie kön­nen sie im Kul­tur­be­reich gestärkt wer­den? Haben Kul­tur­schaffende ange­sichts der aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen eine beson­dere Ver­ant­wor­tung für den Ein­satz für Men­schen­rechte?

Das Pro­gramm begann mit der Begrü­ßung von Chris­tian Höpp­ner, Prä­si­dent des Deut­schen Kul­tur­ra­tes. Es folgte eine Fest­rede von Monika Grüt­ters MdB, Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur und Medien. Im Anschluss dis­ku­tier­ten Marc Grand­mon­ta­gne, Geschäfts­füh­ren­der Direk­tor des Deut­schen Büh­nen­ver­eins, Dalia Grin­feld, Prä­si­den­tin der Jüdi­schen Stu­die­ren­den­union Deutsch­land, Beate Rudolf, Direk­to­rin des Deut­schen Insti­tuts für Men­schen­rechte und Olaf Zim­mer­mann, Spre­cher der Initia­tive kul­tu­relle Inte­gra­tion und Geschäfts­füh­rer des Deut­schen Kul­tur­ra­tes.

Chris­tian Höpp­ner, Prä­si­dent des Deut­schen Kul­tur­ra­tes, sagte: „Es gibt keine Men­schen ers­ter und zwei­ter Klasse. Punkt! Ange­sichts mit­un­ter geführ­ter poli­ti­scher Debat­ten in Deutsch­land ist es not­wen­dig, die­ses klar zu stel­len. Die Ver­ab­schie­dung der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rechte ver­deut­licht ein­mal mehr, wie wich­tig mul­ti­la­te­rale Abkom­men sind. Es kann und darf in der glo­ba­len Welt nicht darum gehen, wie sich jeder selbst der Nächste ist, son­dern wie gemein­sam für die Rechte aller Men­schen ein­ge­tre­ten wer­den kann.“

Die Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur und Medien, Monika Grüt­ters, erklärte: „Kunst, Kul­tur­ein­rich­tun­gen und Medien kön­nen in beson­de­rer Weise dazu bei­tra­gen, dass die All­ge­meine Erklä­rung der Men­schen­rechte ihre zivi­li­sa­to­ri­sche Wir­kung auch in der klei­nen Welt des ein­zel­nen ent­fal­tet. Wir brau­chen dafür die Viel­stim­mig­keit unab­hän­gi­ger und kri­ti­scher Medien, wir brau­chen die Leh­ren aus der Auf­ar­bei­tung unse­rer Ver­gan­gen­heit, wir brau­chen die Phan­ta­sie und auch den Wider­spruchs­geist der Kunst – und eine Kul­tur- und Medi­en­po­li­tik, die dafür Raum und Rah­men­be­din­gun­gen schafft. Ob Lite­ra­tur, Thea­ter, bil­dende Kunst, Musik, Tanz oder Film, ob in Museen und Gedenk­stät­ten, Pro­jek­ten und Initia­ti­ven: Kunst und Kul­tur­ein­rich­tun­gen kön­nen Ver­bin­den­des sicht­bar machen, wo das Tren­nende die Wahr­neh­mung beherrscht, sie kön­nen Per­spek­ti­ven ver­schie­ben und Vor­stel­lungs­räume erwei­tern – und damit auch das Bewusst­sein für Grau­sam­keit und Gewalt, für Unter­drü­ckung und Dis­kri­mi­nie­rung.“

Die Direk­to­rin des Deut­schen Insti­tuts für Men­schen­rechte, Beate Rudolf, betonte: „Eine Kul­tur der Men­schen­rechte braucht enga­gierte Men­schen, die vom Staat die Beach­tung der Men­schen­rechte ein­for­dern und diese selbst im All­tag leben. Respekt vor dem Ande­ren, Aner­ken­nung der glei­chen Würde und Rechte aller Men­schen, Bereit­schaft zum unvor­ein­ge­nom­me­nen Mei­nungs­aus­tausch – all das macht eine Kul­tur der Men­schen­rechte aus und sichert das fried­li­che Mit­ein­an­der in einer Gesell­schaft. Kunst und Kul­tur öff­nen hier­für Räume. Im bes­ten Fall las­sen sie Men­schen ihre indi­vi­du­elle Würde erfah­ren und stär­ken die Bereit­schaft zum soli­da­ri­schen Ein­satz für die Rechte ande­rer.

Olaf Zim­mer­mann, Spre­cher der Initia­tive kul­tu­relle Inte­gra­tion, erklärte: „Die All­ge­meine Erklä­rung der Men­schen­rechte ist kein Poe­sie­al­bum. Sie ist eine Ver­pflich­tung und ihre Umset­zung ver­langt Anstren­gun­gen. Sie ist kein völ­ker­recht­li­cher Ver­trag und daher lei­der nicht indi­vi­du­ell ein­klag­bar, aber sie ent­fal­tet eine uni­ver­selle zivi­li­sa­to­ri­sche Wir­kung. Sie gehört zum Bes­ten, was wir Men­schen uns als Men­schen zuge­ste­hen.“

Bereits Anfang Novem­ber 2018 erschien der Schwer­punkt „Unan­tast­bar: 70 Jahre Men­schen­rechte & Kul­tur“ in Poli­tik & Kul­tur 06/2018, der Zei­tung des Deut­schen Kul­tur­ra­tes.

Von |2019-06-16T12:57:40+02:00Juni 11th, 2019|Kommentare deaktiviert für 70 Jahre All­ge­meine Erklä­rung der Men­schen­rechte – „Für eine Kul­tur der Men­schen­rechte“
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