Hei­mat im Fern­se­hen

Der Hei­mat­ka­nal weckt auf dem Sofa Hei­mat­ge­fühle

Das Medi­en­un­ter­neh­men Main­stream Media AG betreibt den Hei­mat­ka­nal, einen im Pay-TV ver­füg­ba­ren Fern­seh­sen­der. Film­klas­si­ker aus der Gol­de­nen Ära des Hei­mat­ki­nos wer­den dabei mit neue­ren Pro­duk­tio­nen gemischt. The­resa Brüheim fragt bei dem Mit­grün­der Gott­fried Zmeck nach, wie Hei­mat im TV aus­sieht.

The­resa Brüheim: Was bedeu­tet für Sie Hei­mat, Herr Zmeck?
Gott­fried Zmeck: Ach, das ist eine Viel­falt von Emp­fin­dun­gen. Hei­mat hat mit Spra­che, Men­schen, Land­schaft, gesell­schaft­lich-kul­tu­rel­len Wur­zeln zu tun. In der Hei­mat muss man nicht erklä­ren, wer man ist. Man kennt ein­an­der und fühlt sich gebor­gen. Viel­leicht ist Hei­mat auch ein Hei­mat­ha­fen, also ein dyna­mi­scher Bezugs­punkt, von dem aus man sich in andere Berei­che bege­ben kann – gleich­zei­tig mobil und trotz­dem sicher.

Sie haben einen Fern­seh­sen­der mit­ge­grün­det, den Hei­mat­ka­nal, der vor­wie­gend Filme, Serien, Thea­ter­stü­cke und mehr rund um das Thema Hei­mat zeigt. Wel­che Idee steckt dahin­ter?
Wir haben eine unver­wech­sel­bare Posi­tio­nie­rung: Schaut man sich die Pro­gramm­land­schaft ins­be­son­dere im Pay-TV an, dann ist diese im Unter­hal­tungs­be­reich durch über­wie­gend US-ame­ri­ka­ni­sche Serien, Spiel­filme und natür­lich Sport geprägt. Das eröff­net den Bedarf an Local Con­tent. Man weiß, Local Con­tent schlägt jeden ande­ren Con­tent, wenn er gut gemacht ist. Dahin­ter steht natür­lich ein Kal­kül. Man muss es ja wirt­schaft­lich betrei­ben kön­nen. Das Kal­kül ist, dass der Hei­mat­ka­nal unver­wech­sel­bar, nicht aus­tausch­bar ist und damit zum Ange­bot einer jeden Platt­form im deutsch­spra­chi­gen Raum gehö­ren sollte. Dafür haben wir ein Unter­hal­tungs­pro­gramm ent­wi­ckelt, das eine Mischung aus tra­di­tio­nel­len Klas­si­kern und moder­nen For­ma­ten ver­schie­dens­ter Genre bedient – vom tra­di­tio­nel­len Spiel­film über Serien, aber auch Musik­re­por­ta­gen bis hin zu Komö­die und Kaba­rett. Wir wol­len diese boden­stän­dige hei­mat­li­che Farbe dyna­misch in die Gegen­wart, in ein zeit­ge­mä­ßes Lebens­ge­fühl trans­por­tie­ren. Das ist uns wich­tig. Ent­spre­chend haben wir Eigen­pro­duk­tio­nen wie die Kurz­film­reihe „Kleine Sün­den“, die Kaba­rettsen­dung „Ottis Aqua­rium“ mit Ott­fried Fischer oder Musik­re­por­ta­gen wie „Lie­der, Land und Leute“. Das Maß an Eigen­pro­duk­tio­nen bei uns ist hoch, im Gegen­satz zu ver­gleich­ba­ren Spar­ten­sen­dern. Man sieht dabei, dass diese Pro­gramm­farbe sehr aktu­ell ist. Man hat ein Lebens­ge­fühl (wie­der-) ent­deckt, das eine moderne Boden­stän­dig­keit aus­drückt. Das ist eine gewisse Sehn­sucht nach Authen­ti­schem, nach Bekann­tem. Und eine Neu­gierde, wie man eine Brü­cke von Tra­di­tion in das heu­tige Leben schla­gen kann.

Wel­che Ziel­gruppe haben Sie mit dem Hei­mat­ka­nal im Blick?
Unsere Ziel­gruppe defi­niert sich weni­ger demo­gra­fisch. Als Spar­ten­sen­der bedie­nen wir eine gewisse Nische, diese ist aller­dings die Masse. Wir wen­den uns an die Fami­lie, wir wen­den uns an ein brei­tes Publi­kum, das nach Alter­na­ti­ven zur Pro­gramm­welt mit vie­len Gewalt­sze­nen sucht. Das hat alles sei­nen Platz. Ich will das nicht pro­ble­ma­ti­sie­ren. Um es plas­tisch zu sagen, der Hei­mat­ka­nal braucht nie­mals eine Jugend­schutz­vor­sperre. Wir haben uns dazu ent­schlos­sen, den Sen­der Hei­mat­ka­nal mit Gold­Star TV und Romance TV in dem Ange­bot „Fern­se­hen mit Herz“ zu bün­deln. Die­ses eigen­stän­dige Bou­quet ist auch über Strea­ming-Dienst­leis­ter wie Ama­zon, TV.de und Zat­too ver­füg­bar. Das zeigt, dass wir es mit einem Publi­kum zu tun haben, das mit moder­nen Medien umge­hen kann.

Wel­che sind die Publi­kums­lieb­linge Ihrer Zuschaue­rin­nen und Zuschauer?
Ich weiß nicht, ob Sie so lang Zeit haben.

Ein, zwei Bei­spiele …
Gefragt sind die tra­di­tio­nel­len Stars des klas­si­schen Hei­mat­films. Das spannt sich von Romy Schnei­der, Paul Hör­bi­ger, Theo Lin­gen, Hans Moser, Gun­ther Phil­ipp bis hin zu Peter Alex­an­der. Aber natür­lich gehö­ren Serien wie „Der Land­arzt“ mit Wayne Car­pen­dale oder „Der Berg­dok­tor“, „Die Berg­ret­ter“ und „Forst­haus Fal­kenau“ bei uns zu den wich­ti­gen und gern gese­he­nen Pro­gram­men.

Wel­ches Bild von Hei­mat wol­len Sie mit dem Hei­mat­ka­nal ver­mit­teln?
Wir haben nicht den Ehr­geiz, ein bestimm­tes Hei­mat­bild zu ver­mit­teln. Denn jeder hat seine eige­nen Asso­zia­tio­nen zur Hei­mat und soll sich sei­nen eige­nen Hei­mat­be­griff bil­den. Wir ver­su­chen, eine Brü­cke vom
Tra­di­tio­nel­len zum Moder­nen zu schla­gen. Uns geht es vor allem darum, dass sich das Publi­kum beim Hei­mat­ka­nal wohl und zu Hause fühlt.

Die­ses Inter­view ist zuerst erschie­nen in Poli­tik & Kul­tur 03/2019.

Von |2019-06-14T15:46:46+02:00Februar 26th, 2019|Heimat|Kommentare deaktiviert für

Hei­mat im Fern­se­hen

Der Hei­mat­ka­nal weckt auf dem Sofa Hei­mat­ge­fühle

Gottfried Zmeck & Theresa Brüheim
Gottfried Zmeck ist Vorstandsvorsitzender der Mainstream Media AG, die den Heimatkanal produziert. Theresa Brüheim ist Chefin vom Dienst von Politik & Kultur.