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Zeichen setzen für "Zusammenhalt in Vielfalt"

Zwei sich überschneidende Fingerabdrücke, die ein Herz formen, das Wortspiel „germanycultures“ und ein bunt gestreiftes, handgemachtes &-Zeichen – diese drei Einreichungen aus der Mitmachaktion „Gib mir ein Zeichen“ sind in die Endauswahl gegangen. Die Initiative kulturelle Integration hatte im Januar 2018 Bürgerinnen und Bürger – egal ob Schulklasse, Sportverein oder Einzelperson – dazu aufgerufen, ihre Ideen für ein Zeichen für „Zusammenhalt in Vielfalt“ auf der Webseite www.gibmireinzeichen.de hochzuladen. Dies konnte als Skizze, Zeichnung, Fotografie, Text etc. erfolgen – der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt: „Pack Deine Farben aus, schwing Deinen Pinsel, spitze Deine Stifte und finde Deinen persönlichen Ausdruck für ‚Zusammenhalt in Vielfalt‘. Je einfacher Dir Dein Zeichen gelingt – desto besser. Denn es soll später einmal in den Sand geschrieben, auf T-Shirts gedruckt oder auf Papier gestempelt werden können.“

 

Im Vorjahr hatten die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration gemeinsam erarbeitete 15 Thesen unter dem Titel „Zusammenhalt in Vielfalt“ veröffentlicht und damit eine auf breiter Basis geschaffene Grundlage für eine wert- und zielorientierte Ausrichtung der Debatten zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und kultureller Integration gelegt. Der Wettbewerb »Gib mir ein Zeichen« war jetzt ein weiterer Schritt, über das Engagement der Initiative zu informieren und zur Auseinandersetzung und Beteiligung aufzurufen – im Rahmen eines partizipativen Verfahrens. Jeder konnte mitmachen, niemand wurde ausgeschlossen.

 

Fast 800 Einreichungen dokumentieren das große Interesse und die Bereitschaft, sich zu engagieren. Dies beeindruckte auch die zwölfköpfige Expertenjury von Spezialisten aus dem Branding bzw. Corporate Design, aus der Werbung, aus Verlagen sowie führenden Vertretern der Kommunikationsdesign-Fachverbände der Sektion Design im Deutschen Kulturrat, die zuerst in einer online vorgenommenen Negativauswahl und anschließend in der Diskussion von 72 verbleibenden Ideen großes Potenzial erkannte. Anders als bei professionellen Designwettbewerben ging es bei der Jurierung der Aktion nicht darum, ein möglichst weit gediehenes oder bereits perfektes Zeichen auszuwählen, sondern drei möglichst originelle und perspektivreiche Ideen auf Basis von zum Teil laienhaften Skizzen, verwackelten Fotos oder einfachen Beschreibungen herauszufiltern. Diese wurden im Anschluss von der Designagentur Fuenfwerken bearbeitet und zum präsentierbaren Kampagnensymbol weiterentwickelt.

 

Die Entscheidung der Hauptjury aus Vertretern der Mitgliedsorganisationen der Initiative kulturelle Integration fiel dann eindeutig aus – und zwar für das &-Zeichen. Steht es doch in besonderer Weise für „Konnektivität“, für das Verbindende und Zusammenführende, und zugleich für das Zulassen des Einen wie des Anderen. Die von der eingereichten Zeichen-Idee der bildenden Künstlerin Dorothee Herrmann übernommene intensive Farbigkeit genauso wie das Handgemachte unterstützen die Lust an der – auch sehr individuellen – Vielfalt. Ein um das & gelegter Dreiviertelkreis verdeutlicht den Gedanken des gesellschaftlichen Zusammenhalts, ohne sich abzuschließen oder gar auszugrenzen. Und auch die dadurch entstehende Nähe zum @-Zeichen ist gewollt – klingt doch so auch die große kommunikative Aufgabe in einer vernetzten, globalisierten Welt an, wenn eine Gesellschaft „Zusammenhalt in Vielfalt“ leben möchte.

 

Bei der Präsentation am 29. Mai in Berlin während der ersten Jahrestagung der Initiative kulturelle Integration waren alle drei von der Fachjury ausgewählten Ideengeberinnen eingeladen und erhielten eine Anerkennung von je 1.000 Euro durch Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Die prämierten Entwürfe bringen es auf den Punkt – sie greifen die Idee des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Vielfalt einprägsam und zugänglich auf.“ Eine Diskussion „über gemeinsame Werte, verbindliche Regeln, darüber, welche Identitätsmerkmale wir als Gesellschaft vertreten und vermitteln wollen“, bleibe notwendig, so Grütters. Denn: „Kulturelle Integration braucht beides, einerseits die Frage nach Heimat, nach identitätsstiftenden Merkmalen, andererseits die Offenheit für das Andere, noch Fremde. Nutzen wir die Kraft der Kultur! Gemeinsam können wir so der Vielfalt in Deutschland eine Heimat geben.“

Boris Kochan
Boris Kochan hat als Vorsitzender die Expertenjury von "Gib mir ein Zeichen" geleitet und ist als Präsident des Deutschen Designtages Sprecher der Sektion Design im Deutschen Kulturrat sowie als geschäftsführender Gesellschafter der Branding- und Designagentur Kochan & Partner tätig